24. September 2012 | Monika Schramm

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Vor 13 Jahren scorte Jordan Sprechman sein erstes Spiel in der Major League Baseball (MLB). Inzwischen sind es fast 400. Eigentlich sollte der New Yorker in diesen Tagen bei den Heimspielen der Yankees die Statistiken führen. Doch die MLB wollte es anders und beorderte ihn nach Regensburg zum World Baseball Qualifier. „Das ist wirklich eine wundervolle Erfahrung. Die Stadt ist wunderschön. Im Stadion kann man die Begeisterung förmlich mit den Händen greifen. Mir kommt es so vor als wäre Regensburg das Epizentrum des Deutschen Baseballs.“

Vergleicht er das Regensburger Feld mit den Stadien der Yankees und der Mets, dann findet er nicht viele Unterschiede: „Der Ballpark sieht genauso aus wie jeder in der Major League. Nur die Aussicht ist schöner.“ Denn statt auf die Tribünen zu schauen, blicke er hier auf die „mountains“.

Als er Bill Shannon, einem der damaligen New Yorker Scorer, Anfang der 90er erzählt, dass er auch gerne den Job hätte, gab ihm sein Mentor drei wertvolle Tipps mit auf den Weg: „Komm zu so vielen Spielen wie nur möglich, um dir die Glaubwürdigkeit zu verschaffen, die du brauchst. Pass ganz genau auf und halte deinen Mund.“ Nur, wenn er sich auch die außergewöhnlichsten Situationen genau einpräge, werde er später nicht von Spielsituationen überrascht.

Auf die Frage, wie lange es denn dauern werde, meinte Shannon: „So ungefähr zehn Jahre.“ Also pilgerte Jordan Sprechman zu jedem Heimspiel. Er arbeitete mit einem Journalisten der Nachrichtenagentur AP zusammen, ging für ihn zu Presskonferenzen nach den Games. Als sein Mentor schließlich das Gefühl hatte, er habe genug gesehen, setzte sich Shannon dafür ein, dass Sprechman ein MLB-Scorer werden sollte. Jahr für Jahr bekam der New Yorker mehr Einsätze bei den Heimspielen der beiden großen Clubs seiner Heimatstadt. Im Wechsel mit drei weiteren Scoreren führt er inzwischen die Statistiken.

An drei Spiele während seiner „Dienstzeit“ erinnert er sich besonders, denn die gingen in die Baseball-Annalen ein: 2004 das „Bloody Sock Game“, das sechste Spiel in der ALC-Serie zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees, in die Gäste ausglichen, am Ende die Serie und schließlich auch die World Series gewannen.

Jordan Sprechman war es auch, der letztes Jahr den 3000 Hit in Derek Jeters Statistik eintrug. „Zum Glück war das ein Homerun, da gab es keinen Zweifel.“ Direkt danach sagte ein Zeitungsreporter zum Scorer: „Das hättest nicht einmal Du falsch machen können.“

Und erst in diesem Jahr war Sprechman noch einmal der Zeuge eines historischen Moments: Er trug den ersten No-Hitter in der Geschichte der Mets in die Geschichtsbücher ein. Am 1. Juni war es, als Johan Santana keinen Schlag zuließ. „Natürlich hofft man in so einer Situation auch, dass kein Spieler einen Fehler macht, den man scoren muss. Ich bin am Ende des Tages aber nur der Ausführer.“ Eines fehlt Sprechman aber noch in seiner persönlichen Statistik: ein Spiel in der World Series.

Einen echten Beruf hat Jordan Sprechman übrigens auch noch: Der New Yorker arbeitet bei einer Bank.